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Waldbeschreibung
Naturnahe und zum Teil besonders alte Laub- und Mischwälder erstrecken sich vom Ruhrtal (150 m üNN) bis über den Waldrücken des Lüerwaldes (320 m üNN) als hügelige Waldlandschaft des beginnenden unteren Sauerlandes. 3.000 ha davon sind von keiner Straße durchschnitten. In einigen Bereichen wurde schon seit Jahrzehnten jede Bewirtschaftung und Arbeit eingestellt. Den Kern dieses Waldnaturschutzgebietes Lüerwald erschließt der WILDWALD VOSSWINKEL.
Es gibt Dickichte, Blößen, Waldwiesen, Erlensümpfe und Teiche. Riesige Baumveteranen säumen Quellbereiche und gewundene Bachläufe in steilen Siepen. Seit Jahrhunderten wurde – vor allem für die Jagd – bei der Forstwirtschaft besonders auf Landschaftsschönheit und Ruhe geachtet. Es blieb eine außergewöhnliche Ursprünglichkeit erhalten. Vielfalt und Abwechslung wurden immer reicher.
Neben dem besonders zahlreichen Vorkommen heimischen Wildes im traditionsreichen gegatterten Jagdrevier ist hier ein Paradies für viele, zum Teil seltene Tierarten: mehr als 60 Brutvogelarten, darunter 6 verschiedene Spechte, Eisvögel, Wasseramseln, 5 Greifvogel- und 4 Eulenarten, Kolkraben und Schwarzstörche. Seltene Fische wie Bachneunaugen und Groppen, Libellen, in anderen Wäldern des Landes ausgestorbene Käfer und Immen, über 40 Schneckenarten, Feuersalamander, Geburtshelferkröten („Glockenfrösche“ genannt) und viele andere Tiere sind hier zu finden.
Eine landesweite Besonderheit bilden die alten Eichenwälder mit einem der bedeutendsten nordrhein-westfälischen Vorkommen von Mittelspechten und eindrucksvollen Hirschkäfern. Urigen Wildnischarakter haben der „Botanische Wald“ gleich nahe dem WILDWALD-Eingang und am weitesten von dort entfernt der „Urwald“ der „Zwetschenbräuke“ (d. h. schwarzer Sumpf).

Walderlebnis
Unsere Einladung: Immer mehr Menschen suchen die Natur, wollen sie authentisch und direkt erleben als Ausgleich zum städtisch geprägten naturfernen Alltag. Wir glauben, dass du das im WILDWALD VOSSWINKEL finden kannst, so intensiv wie kaum an anderer Stelle! Deshalb wollen wir dich einladen, mit Füßen, allen Sinnen, Kopf und Herz in den Wald zu kommen – zur Begegnung mit dem Wald.
Wir sind vorbereitet: Seit 1970 haben wir rund 12 km Fußwege behutsam in den Wald gebaut und daran entlang Ansitzkanzeln, thematisch geordnete Waldstationen mit Informationshütten und Beobachtungspfaden und Stegen. Im Waldeingangshaus, in der Waldschule, bei den Wildfütterungen, bei Führungen und vielfältigen anderen Programmen der WALDAKADEMIE, aber auch hier und da im Wald in Spähpfählen und Klapptafeln erhältst du Hinweise und Erläuterungen.
Du bringst mit: Vor allem brauchst du viel Zeit, Ruhe und häufiges Wiederkommen zu allen verschiedenen Tages- (und Nacht-!), und Jahreszeiten und bei jedem Wetter. Dazu benötigst du außer der richtigen Kleidung möglichst ein Fernglas, eine Lupe und das große Mikroskop in der Waldschule. Am wichtigsten aber ist, dass du schweigen, pirschen, warten und lauschen kannst, dass du alle deine Sinne und deine ganze Aufmerksamkeit auf all die vielen Bestandteile und Aspekte und auf das große komplexe Ganze des lebendigen Waldes richten, auf große und kleine Pflanzen, große und kleine Tiere, Boden und Gewässer, Prozesse und Zusammenhänge.
Dein Gewinn: Du wirst vieles in diesem Wald finden, was dich überrascht, Dramatisches, Erhabenes, Spektakuläres wie Hirsch, Baumriese, Keiler und Sturm ebenso wie zarteste Feinheit von Farben und Formen, Tönen und Düften wie Spinnennetz, Waldblüten, Vogellieder und Wassertropfen. Wir hoffen, dass dies alles dich freut, ja glücklicher macht. Und vielleicht findest du sogar ein wenig sich selbst? Nicht nur Dichter sagen, dass sie im Wald gesünder geworden sind an Leib und Seele.

Wildbeobachtung
Die meisten Besucher kommen zum WILDWALD, um heimische Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben – ohne Zäune zwischen sich und den Tieren. Sicher und bequem bieten wir dir zu den Fütterungszeiten die Möglichkeit, heimisches Wild ganz nah zu beobachten.

  • Schwarzwild
  • Rot-, Dam- und Muffelwild
  • Waschbären, Marderhunde, Uhus
  • Ziegen
  • Schafe
  • Mini-Schweine
  • Eichhörnchen

Waldgebote
Ein interessantes Walderlebnis für viele Besucher gelingt, wenn du einige „Spielregeln“ einhältst:
Müll bitte mit nach Hause nehmen oder in die Papierkörbe werfen. Wenn Tiere die Abfälle fressen, gehen sie kläglich ein.
Hunde dürfen nicht in den Wald.
Hirsche und Wildschweine können sie als Feinde ansehen und angreifen.
Bleibe auf den Wegen.
Das Wild hat immer „Vorfahrt“. Verstörte Tiere ziehen sich zurück und sind auch für nachfolgende Besucher nicht mehr zu sehen.
Füttern dürfen nur die erfahrenen Wildheger.
Nur sie können das geeignete Futter auswählen und die wehrhaften Tiere richtig einschätzen. Wir wollen, dass Wild wild bleibt.
Vorsicht mit Feuer und Zigarettenglut.
Am besten im Wald gar nicht rauchen, von März bis Oktober ist es sogar gesetzlich verboten.
Ratschläge:
Seine Geheimnisse vertraut der Wald dem an, der ihm zuhört. Verhalte dich ruhig und aufmerksam. Nutze die stillen Stunden morgens, abends und an den Wochentagen für ein ungestörtes Walderlebnis.
Achte auf waldgerechte, wetterfeste Kleidung und bringe genug Zeit mit.

Nutzung und Schutz
Forstliche Produktion von wertvollem Holz – Jagd im historischen Gatterrevier – Biotop – und Artenschutz – mehr als 100.000 WILDWALD-Besucher jährlich – störungsempfindliche Schwarzstörche – Naturschutzgebiet „Natura2000“ der EU…
Stichworte für die vielfältigen Ansprüche an diesen Wald.
Gibt es ehrliche Kompromisse, mit denen Schutz und Nutzung des Waldes Verbündete gegen die übermächtige Zerstörung sein können?
Mit dem Betrieblichen Naturschutzplan Höllinghofen haben Experten mit uns nach sorgfältiger Kartierung im Jahr 2000 Regeln für Natur schonende Nutzung auf der ganzen Fläche aufgestellt und differenzierte Nutzungsverzichte in ausgewählten Schon- und Schutzgebieten festgelegt: Alt- und Totholz auf über 70 ha Waldfläche – Vernässungen durch schließen von Wassergräben – Ruhezonen ohne Wege – Entfichtung von Bachtälern – Renaturierung von Quellen und Bächen – Wildnisflächen ganz ohne Nutzung …. Etwa 900 planvolle Einzelmaßnahmen sollen schrittweise durchgeführt werden.
Forstwirtschaft und Jagd gehen gut weiter. Der WILDWALD-Besuch nimmt zu. Und trotzdem sind Schwarzstörche, Kolkraben und Uhus nach mehr als hundert Jahren als Brutvögel zu uns in den Lüerwald zurückgekehrt und 6 Spechtarten leben im WILDWALD wie nirgends sonst. Das sind erste Erfolge. Man wird sehen, wie’s weitergeht.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Jahreszeit, um den WILDWALD zu besuchen, um ihn richtig kennen zu lernen?
Zu allen Zeiten und bei jedem Wetter ist der Wald ein anderes und ein lohnendes Erlebnis. Nur wer dem Wald auch in grauen, stillen und stürmischen Stunden begegnet, lernt ihn kennen.

Wie lange dauert der Aufenthalt, bis man alles gesehen hat?
Zwei Stunden sind schon etwas für einen ersten Besuch. Aber wer den Wald richtig kennen lernen will, braucht mindestens ½ Tag und häufiges Wiederkommen zu allen Jahreszeiten.

Wie lang sind die Rundwege?

Rundweg Hirschrevier 4,5 km, Rundweg Wildschweinrevier 4 km. Dazu kommen viele Pfade, Stege und Verbindungswege.

Was kann man bei Regen machen?
Regenmäntel anziehen, weil der Wald bei Regen ein ganz besonderes Erlebnis ist. Man kann aber auch trocken unter dem 500 m langen Regendach zum „Ziegenhotel“, zur Waldschule und zur Wildschweinfütterung gehen und am Kaminfeuer lesen oder Walddelikatessen genießen.

Kann ich die Waldtour auch mit einem Rollstuhl unternehmen?
Nicht so gut, weil manche Wege und Pfade uneben sind. Man kommt ganz gut mit dem Rollstuhl bis zur großen Hirschwiese und bis zur Wildschweinfütterung.

Gibt es ein Behinderten-WC? Ja, unter dem Großen Zeltdach.

Dürfen die Tiere im WILDWALD gefüttert werden?

Nein. Nur die erfahrenen Wildheger können das geeignete Futter auswählen und die wehrhaften Tiere richtig einschätzen. Wir wollen, dass das Wild wild bleibt. Die Kinder können rund um das Waldeingangshaus Eichhörnchen, Schafe, Mini-Schweine und Ziegen füttern.

Warum wird im WILDWALD gejagt?
Soweit es möglich ist, fangen wir Tiere lebend – viele reisten schon weit von hier bis nach Südamerika und Neuseeland. Aber sonst müssen auch hier die Jäger an die Stelle der ausgestorbenen Raubtiere treten.

Warum kann ich meinen Hund nicht mit in den WILDWALD nehmen?

Dazu haben wir eine ausführliche Antwort verfasst.

Ist Fotografieren erlaubt?
Ja, überall. Nur muss man leider auf den Wegen und Pfaden bleiben. Wir freuen uns, wenn du uns gelungene Bilder zeigst (oder schickst).

Kann man ein Picknick machen?
Ja. An den Picknickplätzen neben der großen Terrasse.

Kann ich beim Forstbetrieb Holz kaufen?
Ja. Für Forstprodukte erhältst du auf Wunsch einen Angebotszettel.

Warum muss ich soviel Geld bezahlen, um einen Waldspaziergang zu machen?
Weil für die Pflege der Einrichtungen, die Betreuung der Tiere und für das Informationsangebot mehr als 20 Personen arbeiten. Nur ein geringer Teil der Kosten kann von Sponsoren und durch öffentliche Förderung getragen werden.

Wer ist der Besitzer?
Ildikó von Ketteler-Boeselager mit ihrer Familie.

Naturerlebnis ohne Zäune zwischen Mensch und Tier